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La Gangochera
Als Lastenträgerin von Dorf zu Dorf
Von Bodo Wilbert
Wo gibt es Strumpfbänder, Zigarettenpapier und Wäscheklammern? Im „El Corte Inglés“ ist die Antwort aller Nachbarn La Matanzas. Ein verschmitztes Lächeln begleitet ihre hilfsbereite Auskunft. Da man bei Doña Candelaria alles bekommt, was man sonst nur nach langer und umständlicher Suche finden kann, erhielt ihr Tante-Emma-Laden in einer kleinen Seitenstraße La Matanzas den Beinamen nach der großen Kaufhauskette Spaniens.
Schon vor über 60 Jahren ging sie mit ihrer Mutter von Dorf zu Dorf, um die Menschen mit Kartoffeln, Mais, Äpfel, Holz oder alles, was gebraucht wurde, zu versorgen. Dazu hatte sie keinen Esel oder Wagen zur Verfügung. Ihr Transportmittel war ein zusammengerolltes Tuch, um ihren Kopf etwas vor den schweren und harten Körben oder Kisten zu schützen. Bis zu Hundert Kilo Last trug sie auf dem Kopf und wanderte tagelang von Dorf zu Dorf an der Nordküste Teneriffas entlang. Von La Matanza nach Santa Cruz mit Kartoffeln und zurück mit Stoffen oder anderen Waren aus dem Hafen der Inselhauptstadt. Und danach bis San Juan de la Rambla mit Wein und zurück mit Enten oder Puten, die sie auf den Bergwegen mit einem Stock vor sich hertrieb, während sie andere Waren auf ihrem Kopf ständig ausbalancierte.
In an der Wegstrecke liegenden Posadas verbrachte sie die Nächte auf den langen Reisen. Natürlich gehörten die Gastwirte zu ihren Kunden. So gut wie nebenher bekam sie noch zehn Kinder, die sie, während sie ihren kleinen Laden aufbaute, großzog. „La Gangochera“ wird sie auch heute noch liebe- und respektvoll genannt. Und sie ist stolz darauf. Das kann sie wohl auch.