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Einsame Helden

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Einsame Helden
Ein Mann und 260 Hunde

Von Bodo Wilbert

Auch Heute, in einer Gesellschaft, die nur noch aus Egomanen besteht, und somit letztendlich keine Gesellschaft mehr ist, gibt es noch einen Funken Hoffnung. Es gibt Menschen, die das tun, was getan werden muss. Und dann erst, wenn sie noch etwas Zeit dazu haben, denken sie an sich selbst.

Schätzungsweise 6.000 Hunde – 550 Hunde hat alleine Eugenio im letzten Jahr aufgenommen - werden alleine auf Teneriffa pro Jahr ausgesetzt oder gehen verloren.

Eugenio Da Mommio, ein Weltbürger aus Italien, kann diesen Schmerz nicht ertragen. Er fühlt sich machtlos wie Don Quijote und macht trotzdem weiter. Er möchte sie zu gerne anhalten, die Mühlen, die dieses Chaos anrichten. Er schafft es aber nicht, er ist alleine, die Rotorblätter der Gesellschaft würden ihn in einzelne Stücke zerreißen. Also tut er zuerst das, was getan werden muss. Er nimmt die Hunde auf, egal wie viele es sind. Und dann hastet er 24 Stunden pro Tag durch die Gegend, sucht verzweifelt nach Futter, nach alten Decken und Matratzen und nach alten Brettern, um den Hunden ein provisorisches Dach zu bauen.

Da Mommio: „Die Hunde brauchen erst einmal Wasser, dann etwas für den knurrenden Magen und Schutz.“

Ich frage naiv: „Schutz vor was, vor wem?“
„Vor dem Menschen“, antwortete er ganz ruhig.

Seit vielen Jahren tut er das schon. Vor kurzem schenkte man ihm einen Container, in dem er jetzt schlafen kann. Vorher schlief er auf einer Hängematte, mitten drin, mit den Hunden.
Zugegebener Weise hatte ich ein mulmiges Gefühl, als Eugenio mich aufforderte, einzutreten in die alte, still gelegte Bananenplantage, in der Nähe von dem Bergdorf Arico. Schon vor der Plantage wird man von zwanzig bis dreißig frei laufenden Hunden begrüßt. Drinnen laufen über 200 Hunde aller Rassen durcheinander. Es gibt kaum Streitereien.
Eugenio: „Wenn ich sie in mehrere Käfige verteile, dann habe ich auch mehrere Rudelführer. Und dann gibt es natürlich Krach. Aber so gibt es nur einen Chef, und alles bleibt ruhig.“

Die Hunde sprangen an mir hoch, leckten mich und meine Kamera ab. Sie begrüßten mich, wie einen alten Freund. Das Mitleid mit den Tieren und die Angst vor den großen Hunden verflogen im Nu. Es waren sie, die mir etwas schenkten, und nicht umgekehrt. Alle Hunde sind glücklich.

Der Ort hat den Reiz einer marokkanischen Medina mit ihren zahlreichen versteckten Gassen. Ein Labyrinth, es geht mal nach Links, mal nach Rechts, oder nach Oben, oder nach Unten. Das geschäftige Treiben hat kein Ende. Es gibt scheinbar keine Ordnung und trotz alle dem spürt man die Harmonie dieses Ortes.
Es ist der Verdienst Eugenios, der diesen Ort geschaffen hat, weil er die Tiere versteht und liebt. Aber es ist vor allem die Liebe der Hunde, die die Magie dieses Ortes ausmacht. Sie liebten mich.
Auf Anhieb erkannten sie die Verletzungen meiner Seele. Auch die, die ganz tief sitzen. Auch die Verletzungen, die kein Therapeut zu finden vermag. Die Hunde erkannten sie sofort. Sie wollten mir Trost spenden, weil Liebe für sie eine Selbstverständlichkeit ist. Es sind nicht sie, die unserer Hilfe bedürfen. Wir brauchen ihre Hilfe, bevor es zu spät ist.

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