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Ein halbes Leben am Strand

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Ein halbes Leben am Strand

Von Bodo Wilbert

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge fährt man heutzutage an den kleinen Naturstrand „La Gaviota“ nur ein paar Kilometer nördlich von San Andres. Hier ist es Tradition. Seit je her trafen sich hier diejenigen, die, wie Gott sie geschaffen hatte, ein Sonnenbad nehmen wollten. Auch schon, als es noch verboten war. Die Polizei nahm die Nudisten mit aufs Revier, und teilweise wurde man auch mit einer kostenlosen Übernachtung inklusive Kost und Logis fürs Nacktbaden belohnt.

Diese Zeiten sind vorbei. Nach spanischem Gesetz darf man heutzutage an jedem Strand nackt baden.
Aber ist es besser geworden? Die Jungpolitiker der PP haben bessere und modernere Installationen für den kleinen Strand gefordert. Sie fordern Toiletten, Duschen und eine Verbesserung der Zufahrt. Hört sich gut an. Aber alle wissen, dass dies der Beginn der Zerstörung einer kleinen Oase sein wird, die man noch aus den 70ern herüber retten konnte.

Charly ist vor dreißig Jahren an diesen kleinen Strand gekommen. In den 50zigern brachte er den Bauern im Süden der Insel täglich die Brötchen.
„Damals gab es noch keinen Touristen im Süden“,
erzählt er ein wenig traurig.
Danach ist er fünfzehn Jahre durch Europa gereist. Die wilden 60ziger erlebte er in Berlin, Köln, Paris oder auch Amsterdam. Es gibt kaum eine Ecke Europas, die er nicht bereist hatte. Bis es ihn wieder in seine Heimat zog. La Gaviota war genau der richtige Ort für Charly. Hier konnte er die Freizügigkeit und Offenheit, die er in Europa kennen lernte, mit der Schönheit seiner alten Heimat verbinden.

Es dauerte nicht lange bis er eine kleine Strandbar errichtete. Frischer gemischter Salat, aber mit Bananen, Avocados und Papaya, und frischer Fisch vom Grill. Dazu gibt es Bier oder Wein oder Limonade. Aus Palmenblättern baute er Schattenspender. Seit dreißig Jahren schon arbeitet er mit dem gleichen Konzept Tag für Tag an diesem kleinen Strand. Natürlich ist und war er immer freundlich.

An den Wochenenden ist es voll. Die Nudisten sind dann in der Minderzahl. An den Wochentagen ist es Gott sei Dank noch ruhig. Dann können auch heute noch spontane Feste entstehen. Mit einem kleinen Feuer, Gitarren- oder Trommelmusik.

Aber wie lange noch. Nach der breiteren Zufahrt kommen die Toiletten und die Duschen. Und wie lange dauert es dann noch, bis man Charlies Bude durch einen Aluminiumcontainer ersetzt? Wünschen wir Charly ein langes und gesundes Leben. So lange er noch über La Gaviota wacht, bleibt uns zumindest noch die Hoffnung übrig.

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