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Die letzte Haltestelle von Linie 246

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Almaciga
Letzte Haltestelle von Linie 246


Von Bodo Wilbert

Einige Touristen kommen mit dem Bus. Sie haben gehört, dass man von Almaciga aus wunderschöne Wanderungen machen kann. Ihr Gepäck ist gut durchdacht. Eine Wanderkarte, vielleicht ein Fahrplan für die Busse, ausreichend Wasser, sonst kann man sich genügend Vorrat im kleinen Laden kaufen. Man weiß nicht, ob sie von der Schönheit des Platzes überwältigt sind. Oder war es doch die Busfahrt, bei der man mehrere Hundert Meter hinunter in die Schluchten schaut auf einer engen und kurvenreichen Straße. Man fühlt sich machtlos. Man muss dem Fahrer vertrauen, obwohl man ihn nicht kennt.

Zwei Mädchen sitzen auf einer Terrasse. Sie schälen Knoblauch für ein in der Nähe liegendes Restaurant.
„Wie viel Knoblauch schält ihr denn jeden Tag?“
Sie sind fröhlich. Sie schwatzen und kichern, während sie vor einem großen Berg Knoblauch sitzen:
„Eine Kiste, das sind fünf Kilo. Im Sommer müssen wir das Doppelte machen.“
„Und das ist alles nur für ein Restaurant?“
„Ja,ja.“
Kicher, kicher …
„Wie lange braucht der Bus von hier nach Santa Cruz?“
Gerade fährt ein Bus ab:
„Ungefähr eine Stunde, das kommt auf den Fahrer an,“
kicher, kicher … Sie zeigen mit dem Finger auf den Bus:
„Der da braucht etwas länger, der braucht 70 Minuten, der fährt schon seit vielen, vielen Jahren und hat viel Erfahrung. Er weiß, dass Rasen keinen Sinn macht. Morgens fährt jemand, der schafft es auch schon mal in 35 oder 40 Minuten,"
kicher kicher …,
"der hat es noch nicht begriffen. Da sollte man sich lieber gut festhalten,"
kicher kicher kicher.
„Die Touristen, die gerade angekommen sind, wissen nicht, welches Glück sie gehabt haben.“
Kicher, kicher, kicher, kicher … Sie kamen mit dem 70-Minuten-Fahrer.

Das schroffe steil herabfallende Anaga-Gebirge hat einen Felsen preisgegeben für die Menschen. Damit sie sich ihre Häuser bauen können. Und das mussten sie schon selbst tun. Wie sie auch eine Piste in den Berg bauten, um an den nächsten Strand kommen zu können. Ungeübte Fahrer sollten lieber zu fuß gehen. In den engen Gassen des Dorfes, obwohl man sie besser als Gänge bezeichnen sollte, ist es warm. Die Sonne scheint herein. In den Häusern ist es sichtbar kühler. Man kann kaum mal einen Blick hineinwerfen. Die Fenster sind klein und die Türen verschlossen.

Es ist ein kleines Labyrinth. Vor dem Haus, hinter dem Haus, zwischen den Häusern, überall sind kleine versteckte Gänge, die irgendwo herführen. Manchmal hört man das Schleifen von Pantoffeln. Ein alter Mann, eine alte Frau, ein junges Mädchen. Sie haben es nicht eilig. Es gibt keinen Grund. Sie alle kennen die Philosophie des 70-Minuten-Fahrers. Es hat keinen Sinn zu rasen.

Ein paar Stimmen kommen aus einem kleinen quadratischen Haus. Die Tür steht weit offen. Ein Hauch kühler Luft tritt aus. Ein Mann und zwei Frauen erzählen. Erst nach vorsichtigem und genauerem Hinsehen sieht man einen Tresen und Regale.
„Entschuldigung, ist das eine Bar oder ein Laden?“
„Ein Laden“, sagt der Mann.
Auch wenn man um den Laden herumgeht, man findet kein äußeres Hinweisschild, was auf einen Laden hinweisen könnte. Von hier aus führt der Weg nach unten, zur Treppe, die in die Schlucht führt. Man kann nicht sehen, wohin der Pfad führt.

Ein wenig lebendiger ist es an der kleinen Plaza, direkt vor der kleinen Schule. Man kann die Kinder sehen, aber man kann sie nicht hören, obwohl sie gerade Pause haben. Vielleicht gibt es nichts, worüber man sich streiten könnte. Vielleicht warten die Kinder noch, bis das sie groß sind. So groß, wie die Alten, die sich auf der Plaza treffen, um die Probleme des Alltags zu diskutieren. Es gibt nur ein Problem:
„Es gibt kein Problem.“
Außer:
„Das Meer ist böse heute.“
„Gestern war das Meer gütig.“ … und:
„Dieses Jahr gibt es gute Kartoffeln.“
„Ja, nach dem Regen.“
Sie schauen einer Gruppe Wanderern nach, die einen mühsamen Weg den Berg hinauf auf sich nehmen:
„Die Touristen wissen sicher nicht, dass man da oben nicht weiter kommt!“
„Ja …“
Eine halbe Stunde später sehen sie, dass die Touristen auf dem Rückweg sind:
„Jetzt wissen sie, dass man da oben nicht weiterkommt!“
„Ja …“


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